«Das Smartphone könnte das Portemonnaie theoretisch schon bald ersetzen»

Fast 20% der Schweizerinnen und Schweizer haben beim Einkaufen schon per Smartphone bezahlt. Dieser Anteil werde sich in absehbarer Zeit nahezu verdoppeln, sagt die Studie «Smartphone statt Portemonnaie?» des Beratungsunternehmens Deloitte. Konstantin Von Radowitz von Deloitte ist überzeugt, dass sich Mobile Payment bald durchsetzen wird.

Wie nutzen Schweizerinnen und Schweizer gemäss Ihrer Studie Mobile Payment?
Mobile Payment ist ein weiter Begriff und bezieht neben dem Bezahlen an einer Ladenkasse auch das Bezahlen im Internet oder Peer-to-Peer-Payment mit ein. Im Laden lassen sich zwei Lösungen unterscheiden: Entweder man bezahlt das Produkt über die App des Ladens oder über einen Drittanbieter. Beispiele für ersteres sind die Apps von Coop, Migros, Manor oder Starbucks. Gemäss unserer Studie nutzen 27 Prozent der Schweizer Mobile-Payment-Nutzer ausschliesslich solche Apps. 54 Prozent greifen hingegen ausschliesslich auf Drittanbieter zurück. Hier dominieren TWINT, Apple Pay und Samsung Pay den Markt. 19 Prozent nutzen beide Lösungen.

Warum benutzen die Kundinnen und Kunden Mobile Payment?
Gemäss unserer Umfrage wollen sie in erster Linie kein Bargeld oder keine Bankkarten auf sich tragen. Dieser Vorteil wird umso grösser, je mehr Karten (Treuekarten, Abonnemente, Ausweise etc.) sich in das Smartphone integrieren lassen. In dieser Hinsicht könnte das Smartphone das Portemonnaie theoretisch schon bald ersetzen.

Wie wird sich dieser Markt entwickeln?
Er entwickelt sich relativ dynamisch. Das Potenzial von Mobile Payment ist gross und der Markt dürfte dementsprechend wachsen. Dafür sprechen zwei Gründe: Erstens die relativ hohe Nutzungsquote von 17 Prozent aller Konsumenten in der Schweiz. Bringt man diese dazu, ihre Bezahl-Apps häufiger zu nutzen, wird das Transaktionsvolumen schnell steigen. Zweitens haben weitere 14 Prozent der Befragten angegeben, dass sie in den nächsten Monaten Mobile Payment ausprobieren möchten.

Das heisst, ein beträchtlicher Teil der Schweizerinnen und Schweizer hat Mobile-Payment-Apps installiert, benutzt diese aber selten?
Viele sind zwar aufgeschlossen gegenüber neuen Technologien und haben die neuen Bezahllösungen auch bereits einmal ausprobiert. Bis sich diese aber richtig durchsetzen und rege angewendet werden, braucht es Zeit. Das war bei anderen digitalen Bezahllösungen nicht anders. Hinzu kommt, dass viele Konsumenten vor allem Zusatzfunktionen wie Direktüberweisungen an andere Personen (Peer-to-Peer) nutzen, aber noch nicht die Bezahlfunktion.

Stimmt der Eindruck, dass Schweizerinnen und Schweizer immer noch gerne Bargeld verwenden?
Die Schweiz ist tatsächlich ein Land des Bargeldes. Noch immer machen die Läden die Hälfte des Umsatzes mit Bargeld. Ganz anders in Ländern wie den USA oder Schweden, wo digitale Bezahlungsmittel schon lange den Hauptteil des Umsatzes ausmachen. Das liegt an der Gewohnheit. Hierzulande wollen zudem viele nicht, dass ihre Transaktionen aufgezeichnet werden. Nichtsdestotrotz geht der langfristige Trend auch bei uns in Richtung digitale Bezahlungsmittel. Alleine in den letzten 17 Jahren hat der Anteil des Bargeldes am Umsatz stationärer Verkaufspunkte 25 Prozentpunkte eingebüsst. Wenn wir unser Smartphone für immer mehr alltägliche Tätigkeiten einsetzen, wird auch das Bezahlen damit ganz normal.

Was muss eine Mobile Payment-Lösung Ihrer Erfahrung nach mitbringen, um erfolgreich auf dem Markt zu sein?
Entscheidende Faktoren aus Kundensicht sind die Benutzerfreundlichkeit, die Sicherheit und die Einsetzbarkeit. Anders gesagt, die Bezahl-App sollte möglichst schnell, zuverlässig und in möglichst vielen Geschäften einsetzbar sein.

Wie werden wir in Zukunft einkaufen und bezahlen?
Online wird als Verkaufskanal weiter an Bedeutung gewinnen. Seit Jahren wachsen die Online-Umsätze in der Schweiz überproportional. Gleichwohl ist ihr Anteil am Gesamtumsatz mit 7 Prozent noch immer relativ bescheiden. Bis 2022 dürfte dieser auf 11 Prozent steigen. Anders gesagt, 89 Prozent der Umsätze werden dann immer noch im Laden erzielt. Der Gang in den Laden bleibt für den Grossteil der Konsumenten wichtig. Trotzdem spielen digitale Technologien und Online-Kanäle eine immer wichtigere Rolle, denn die meisten Kunden informieren sich heute vor oder während dem Einkaufen auf ihrem Smartphone über Produkte, Preise und Bewertungen. Sie können Informationen über Produkte wie Lieferfristen, Grössen oder Farben direkt vor Ort abfragen und die Produkte mit dem Smartphone scannen. Wenn sie dann auch noch mit dem Smartphone die Rechnung begleichen, braucht es gar keine Kasse mehr.

Konstantin von Radowitz

Konstantin Von Radowitz leitet den Bereich Consumer & Industrial Products der Beratungsunternehmens Deloitte Schweiz. Zusätzlich ist er Leiter des M&A Transaction Services Teams. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Beratung im in- und ausländischen Markt.

Die Deloitte-Studie «Smartphone statt Portemonnaie?» untersucht die Verbreitung und das Potenzial digitaler Bezahlsysteme im Schweizer Detailhandel. Hierzu wurden persönliche Expertengespräche mit Vertretern verschiedener Detailhändler und 1’000 in der Schweiz wohnhaften Personen durchgeführt.

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