Interview mit dem TWINT Verwaltungsratspräsident Søren Mose

Die Schweizer Bezahl-App TWINT hat seit Dezember vergangenen Jahres einen neuen Verwaltungsratspräsidenten. Søren Mose kommt aus Dänemark, wo bereits die meisten Menschen mit dem Smartphone bezahlen. Er verrät, wie TWINT in den nächsten Jahren die Zahlungsgewohnheiten in der Schweiz verändern wird.

Søren Mose, Verwaltungsratspräsident von TWINT
«In vier Jahren wird TWINT in der Schweiz so weit verbreitet sein wie Mobilepay in Dänemark.»

 

Herr Mose, Sie sind nun seit über drei Monaten Verwaltungsratspräsident von TWINT. In welche Richtung entwickelt sich die Schweizer Payment-Lösung?

Wir sind sehr gut unterwegs. TWINT hat derzeit über 750’000 registrierte Nutzerinnen und Nutzer. Darüber hinaus haben sich 65 Banken für den Einsatz von TWINT entschieden. Das ist sehr zufriedenstellend, wenn man bedenkt, dass es TWINT in der heutigen Form erst seit April 2017 gibt. Die Anzahl neuer Nutzerinnen und Nutzer steigt tatsächlich jede Woche um über 10’000. Dort, wo wir für unsere Kundinnen und Kunden eine anderweitig nicht vorhandene Lösung anbieten, ist das Wachstum am grössten.

Welche Bereiche sind das?

P2P – also Zahlungen zwischen Privatpersonen – und E-Commerce. Lassen Sie mich diese beiden Beispiele näher erklären: Mit der Funktion «Geld senden und anfordern» können wir via TWINT direkt von Konto zu Konto einander Geld überweisen, respektive voneinander einfordern. Das ist so unglaublich einfach und kostet nichts, absolut nichts. Bei Online-Käufen – wir nennen es E-Commerce – ist es ebenfalls ein enormer Vorteil, TWINT zu benutzen. Mit TWINT muss man bei Online-Einkäufen keine Kreditkartendaten eingeben oder im Internet hinterlegen. Das eigene Bankkonto ist mit der App verbunden. TWINT ist sicher und schneller. Das ist für alle Nutzerinnen und Nutzer eine echte Verbesserung. Wir sehen besonders in den Bereichen E-Commerce und P2P ein grosses Wachstum von TWINT. Weil wir den Kundinnen und Kunden wirklich helfen und ihre Bedürfnisse befriedigen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung von TWINT im stationären Handel?

Auch beim stationären Handel sehen wir grosse Fortschritte. Hier unterstützen wir momentan mehr die Gewohnheitsänderungen der Kundinnen und Kunden. Aber in Zukunft wird die digitale Zahlung die Normalität sein. TWINT ist die einzige Lösung für einfaches Bezahlen überall, namentlich zwischen Personen, im E-Commerce und an der Kasse. Coop war von Anfang an dabei. Seit März kann man auch bei Migros mit TWINT bezahlen. Und auch die SBB hat angedeutet, dass es nur eine Frage der Zeit sei, ab wann man auch bei ihr mit TWINT bezahlen kann. Je mehr man TWINT benutzt, desto mehr will man TWINT benutzen.

Wird sozusagen das Portemonnaie digitalisiert?

Ja, ich bin davon überzeugt, dass wir in Zukunft nicht mehr mit einem dicken Portemonnaie voller Bonuskarten, Treuekarten und Stempelkarten verschiedener Geschäfte unterwegs sind. Und auch nicht mit Debit- und Kreditkarten sowie Bargeld. Die Kundinnen und Kunden von morgen wollen es einfacher und praktischer haben. Daher wird alles auf unserem Smartphone zusammenfliessen und dort gespeichert. Denn das ist sicherer, schneller und einfacher.

Sie kommen aus Dänemark, wo das Bezahlen via Smartphone schon sehr verbreitet ist. Wie funktioniert Mobile Payment in Dänemark?

TWINT heisst in Dänemark Mobilepay. Das ist die meistgenutzte App und quasi jeder und jede benutzt sie. In einem Land mit 5,6 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern sind dies ungefähr 4,5 Millionen registrierte Nutzerinnen und Nutzer. Mobilepay ist – wie in der Schweiz – vor allem in den Bereichen P2P und E-Commerce schnell gewachsen. Mobilepay ist aber im Gegensatz zu TWINT keine Kontolösung, sondern eine Kreditkartenlösung. Ich bin überzeugt, dass es bei Mobilepay – wie bereits bei TWINT – langfristig möglich sein wird, ein Bankkonto anzubinden. Wir werden es sehen. Technisch gesehen ist TWINT weiter entwickelt als Mobilepay. Mobilepay hat im Jahr 2013 angefangen und wird also bereits seit über vier Jahren genutzt. TWINT ist in der heutigen Form erst ein Jahr alt. In vier Jahren wird TWINT so verbreitet sein wie Mobilepay, aber man wird TWINT vielfältiger nutzen können als Mobilepay.

Inwiefern lässt sich Dänemark mit der Schweiz vergleichen?

Dänemark ist sehr digitalisiert. In jeder Vergleichsliste zum Thema Digitalisierung in verschiedenen Ländern ist Dänemark immer einer der Spitzenreiter. Jede Dänin und jeder Däne wird ja mit einer persönlichen Identifikations-Nummer (cpr) «digital» geboren. Ohne cpr-Nummer erhält man in Dänemark keinen Namen. Jede Dänin und jeder Däne hat auch einen digitalen Briefkasten für amtliche und private Post. Das System ist für alle Einwohnerinnen und Einwohner dasselbe. Deshalb wurde Mobilepay von den Däninnen und Dänen auch sehr schnell aufgenommen.
Ich bin sicher – und hoffe es auch – dass die E-Identity in der Schweiz bald umgesetzt wird. Das wird die Digitalisierung generell und in verschiedenen Bereichen beschleunigen. Die Schweiz ist im Vergleich der internationalen Wettbewerbsfähigkeit immer – wie Dänemark – ganz vorne mit dabei. Und deshalb sind diese digitale Welt und der digitale Wettbewerb sehr wichtig. Dann wird die Schweiz – genauso wie Dänemark – viel digitaler werden. Und dann wird TWINT noch wichtiger.

Was braucht es in der Schweiz noch, damit Mobile Payment so beliebt wird wie in Dänemark?

Wir sollten nicht vergessen, dass Mobilepay in Dänemark im Jahr 2013 live ging. Auch in Dänemark gab es anfänglich eher Zweifel. Doch heutzutage ist Mobilepay dort nicht mehr wegzudenken. So wird es auch bald in der Schweiz sein, mit TWINT.

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