«Ich bezahle gerne bargeldlos – auch mit TWINT»

Die Schweizerische Nationalbank hat Anfang Juni die Zahlungsmittelumfrage 2017 veröffentlicht. Die Umfrage zeigt: Menschen in der Schweiz bezahlen im Durchschnitt 1.7 Mal pro Tag CHF 41. In sieben von zehn Fällen wird mit Bargeld bezahlt. Sébastien Kraenzlin, Leiter des Operativen Bankgeschäfts bei der Schweizerischen Nationalbank, bezeichnet sich selber als «bargeldlose Person». Aber er weiss auch, warum Schweizerinnen und Schweizer nur zögerlich auf Bargeld verzichten.

Herr Kraenzlin, wieso ist die Schweiz ein Bargeldland?
Ja, das interessiert mich auch persönlich, da ich selber eine «bargeldlose Person» bin. Die Schweiz ist jedoch ein Bargeldland. Das hängt mit den Eigenschaften von Bargeld zusammen, welche die Schweizerinnen und Schweizer beim bargeldlosen Bezahlen offenbar vermissen: Erstens kann man Bargeld überall einsetzen. Zweitens «funktioniert» es immer, unabhängig davon ob die Karteninfrastruktur zur Verfügung steht oder nicht. Drittens ermöglicht Bargeld eine einfachere Budgetkontrolle als bargeldlose Zahlungsmittel. Viele fürchten, dass sie zum Beispiel mit einem bargeldlosen Zahlungsmittel die Übersicht verlieren und zu viel Geld ausgeben. Und viertens ist der Datenschutz ebenfalls ein Argument. Nur beim Bargeld hat der Bezahlende völlige Anonymität.

Und warum bezahlen Sie nicht mit Bargeld?
Ich finde es einfach praktischer, mit dem Smartphone zu bezahlen. Das ist möglicherweise auch eine Altersfrage. Als «Bargeldloser» achte ich geradezu darauf, wo ich bargeldlos bezahlen kann, und gehe bewusst dort einkaufen, wo das möglich ist.

Auch grössere Beträge werden heute in der Schweiz oft bar bezahlt. Zum Beispiel mehr als jede dritte Zahlung über 1000 Franken. Weshalb ist das so?
Hierfür sind Gewohnheiten verantwortlich, wie sie in der Schweiz anscheinend verankert sind. Es sind ganz spezifische, nicht alltägliche Situationen, bei denen grössere Transaktionen mit Bargeld abgewickelt werden. Bei vielen Autokäufen, z.B. bei Occasionsautos, ist Bargeld immer noch üblich. Grosse Noten werden auch bei grösseren Zahlungen am Postschalter oder beim Möbelkauf eingesetzt.

Dies können mobile Zahlungssysteme wie TWINT derzeit noch nicht ersetzen, unter anderem weil dort die maximalen Beträge beschränkt sind.

Im Moment sind fast 450 Millionen Schweizer Banknoten im Umlauf. Pro Stück kostet die Herstellung einer Banknote etwa 40 Rappen. Wäre es nicht günstiger, das Bargeld abzuschaffen?
Diese Frage stellt sich für uns nicht. Die Bargeldversorgung ist eine der gesetzlichen Aufgaben der Nationalbank. Das Gleiche gilt im Übrigen auch für den bargeldlosen Zahlungsverkehr, den wir gemäss Nationalbankgesetz zu erleichtern und zu sichern haben. Die Kostenfrage ist daher für uns nicht entscheidend. Davon unabhängig darf man nicht vergessen, dass auch der bargeldlose Zahlungsverkehr Kosten verursacht.

Es gibt Schätzungen zu den privaten und sozialen Kosten des Zahlungsverkehrs. Die Kosten betragen etwa 1% des BIP. Beide Bezahlmethoden halten sich in Bezug auf die Kosten etwa die Waage.

Mit der TWINT App wird das Bargeld digital. Wie beurteilen Sie die Zukunft von Mobile Payment in der Schweiz?
Unsere Umfrage hat gezeigt, dass rund 40 Prozent der Bevölkerung mobile Zahlungsformen im Sinne von Bezahl-Apps kennen, aber nur 10 Prozent diese Möglichkeit nutzen. Ich glaube, dass sich mobiles Bezahlen auch in der Schweiz weiterentwickeln wird.

Grund dafür ist das Smartphone, das doch eine immer bedeutendere Rolle im Alltag einnimmt. Der Einsatz hängt wohl auch von der Verfügbarkeit der Zahlungsmöglichkeiten und den Kosten ab. Wenn beides für die Konsumierenden stimmt, wird sich diese Zahlungsart weiterverbreiten.

Dann gibt es aber auch noch subjektive Faktoren, die eine grosse Rolle spielen. Personen, die in Eile und bargeldaffin sind, bezahlen in solchen Situationen erst recht mit Bargeld, weil sie glauben, dass es schneller geht. Menschen, die es gewohnt sind, bargeldlos zu bezahlen, tun dies auch in Stress-Situationen bargeldlos.

Unsere Untersuchung zeigt, dass heute wertmässig 55% bargeldlos transferiert werden und 45% mit Bargeld. Bei der Anzahl Transaktionen ist es umgekehrt: dort entfallen noch 70% auf Bargeldzahlungen.

Der Wertanteil der bargeldlosen Zahlungen ist in den letzten 10 Jahren nur sehr langsam gewachsen, nämlich um insgesamt 10 Prozentpunkte. Trotzdem glaube ich, dass die Nutzung mobiler Zahlungsmittel künftig stärker zunehmen wird. Die hohe Alltagsdurchdringung der Smartphones sehe ich als Haupttreiber dieser Entwicklung. Eine wichtige Grundvoraussetzung für das Wachstum wird aber die Gewährleistung des Datenschutzes sein. Sollten allerdings Fälle von Datenmissbrauch bekannt werden, ist eine Trendumkehr Richtung Bargeld nicht ausgeschlossen.

Nutzen Sie selbst TWINT?
Ich nutze verschiedene Bezahl-Apps sowie kontaktloses Bezahlen und setze auch TWINT ein. Ich nutze diese Zahlungsformen wo immer ich kann, für alle möglichen Käufe.

Sie haben diese Umfrage im Jahr 2017 gemacht. Wie bezahlt die Schweiz im Jahr 2027?
Ich vermute, dass der Anteil von mobil Zahlenden in den kommenden zehn Jahren stark zunehmen wird. Allerdings darf man wie gesagt nicht vergessen, dass auch in der Vergangenheit der Rückgang des Bargeldeinsatzes nur sehr langsam vonstatten ging.

Es wird aber wichtig sein, wie sich die Einstellung zu den zu Beginn erwähnten vier Eigenschaften von Bargeld verändert, also die Einsatzmöglichkeit, die Verfügbarkeit, der Datenschutz und die Möglichkeiten zur effizienten Budgetkontrolle bei bargeldlosen Zahlungssystemen. Und da muss es TWINT gelingen zu zeigen, dass User diese Eigenschaften auch bei TWINT finden können.

Ihr Präsident erwähnt in Interviews, dass TWINT eine ganz grosse Innovation sei, die den Zugang zum eigenen Bankkonto rund um die Uhr erlaube. Was sagen Sie dazu?
Ich glaube, dieses Bezahlen rund um die Uhr ist ein gutes Beispiel für eine durch die Nachfrage getriebene Entwicklung: Wenn mit Innovation eine solche Nachfrage der Bevölkerung befriedigt werden kann, ist das für die Volkswirtschaft sicher sehr positiv

Sebastian Kraenzlin SNB im TWINT Interview

Sébastien Kraenzlin, Leiter des Operativen Bankgeschäfts bei der Schweizerischen Nationalbank in Zürich

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